Nun ist es sowohl für den Betrieb eines Sägewerkes wie auch den an Klima- oder Waldnaturschutz Interessierten nicht nur wichtig zu wissen, wo beziehungsweise in welchen Waldbesitzarten wieviel Holz steht, sondern es ist bedeutsam, wie es sich auf die Stärkeklassen der Baumarten verteilt. Und auch hier gibt es seit Jahrzehnten einen klaren Trend. Er ist davon gekennzeichnet, dass die Holzvorräte in den kleineren Durchmesserklassen abnehmen und ab einem Durchmesser von 40 Zentimetern ansteigen. Der Vorrat verschiebt sich also zunehmend in Richtung der dickeren und damit oftmals auch älteren Bäume. Grund dafür sind sowohl die Entstehungsgeschichte vieler Wälder mit diversen Aufforstungswellen und der damit verbundenen typischen Altersklassenstruktur als auch die Nutzungspraktiken der letzten Jahre. Im Ergebnis steht heute fast vier Mal so viel Holz in Form von alten und dicken Bäumen (stärker 70 Zentimeter) im Wald als dies 1987 der Fall war.
Dieses „Dickerwerden“ der Bäume freut sicher viele Waldbesucherinnen und -besucher, die zunehmend auf imposante Baumgestalten treffen; es fördert auch die Bildung von Mikrohabitaten und Totholz und dient insofern der Biodiversität. Aus ökonomischer Sicht ist der steigende Anteil starken Holzes jedoch auch ein Risikofaktor und für die Forstbetriebe vielfach mit Vermarktungsproblemen verbunden, wenn sich Sägewerke mit ihrer Technik auf die schwächeren Massensortimente spezialisiert haben und wenig Interesse an starken Tannen, Fichten oder Buchen besteht. Initiativen, die bessere Vermarktungsmöglichkeiten vor allem für das starke Laubholz eröffnen, kommt vor diesem Hintergrund wachsende Bedeutung zu.
Ein besonderes Dilemma ergibt sich aus dieser Situation beim Klimaschutz. Manche Akteurinnen und Akteure sehen in dicken Bäumen – unabhängig von der Baumart – vor allem den gebundenen Kohlenstoff. Wie beim Menschen auch, steigt mit dem Alter und der damit verbundenen größeren Baumhöhe aber auch die Anfälligkeit gegenüber Belastungsfaktoren. Die jährlichen Aufnahmen des Waldzustandsberichts zeigen, dass junge Wälder deutlich weniger von Laub- beziehungsweise Nadelverlusten betroffen sind und somit als vitaler gelten.
Altbestände aus Fichte, Tanne, zum Teil auch Buche, stellen unter sich ändernden Bedingungen durch den Klimawandel eben vielfach auch einen höchst unsicheren Speicher dar. Insbesondere entsteht aber auch ein Zielkonflikt zur dringend gebotenen Klimaanpassung. Sie legt Eingriffe in diese alten Baumbestände nahe, um zum einen frühzeitig für Verjüngung zu sorgen und andererseits rechtzeitig die Baumartenzusammensetzung ändern zu können. Des Weiteren sorgt ein höherer Anteil von Jungbeständen dafür, dass die Wälder wieder kräftiger wachsen und somit zukünftig mehr Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen werden könnte als dies zuletzt noch der Fall war.






