Zur Analyse der Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen zu regionalen Holzprodukten wurden im Frühjahr 2021 qualitative, leitfadengestützte Interviews mit 17 Vertretern aus den verschiedenen Teilbranchen des Forst-Holz-Sektors im Allgäu geführt. Ein besonderer Fokus lag auf der Feststellung der Hindernisse bei der regionalen Bereitstellung und Vermarktung von Holzprodukten sowie auf deren Lösungsansätze. Die Ergebnisse der Interviews wurden im Herbst 2022 zudem nochmals in einem Workshop mit 20 Branchenvertretern diskutiert.
Als größtes brancheninternes Hindernis bemängeln viele der Interviewpartner das “Kirchturm-Denken” der Betriebe bzw. die fehlende Zusammenarbeit. Das Konkurrenzdenken und das Misstrauen der Betriebe untereinander verhindere gemeinsame regionale Projekte und Kooperationen. Ein Interviewpartner erklärte: “Es gab noch nie ein Ketten-Denken. Es gab immer nur ein Einzel-Denken der einzelnen Betriebe.” Zudem wird das fehlende Bewusstsein für Regionalität als Problem erwähnt. Vielen Betrieben sei es egal, woher das Holz kommt, das sie für ihre Produktion benötigen.
Des Weiteren werden von nahezu allen Befragten die schwindenden bzw. fehlenden regionalen Strukturen als eines der größten Hindernisse genannt. Zum einen wird der Konzentrationsprozess bei den Sägewerken angesprochen. Ein Interviewpartner äußerte sich so: “Die Industrie hat es geschafft, die alle tot zu machen. Um den Markt zu diktieren. Und das ist hier auch so, wir werden immer mehr Sägewerke verlieren.” Zum anderen wird auf die fehlenden Weiterverarbeitungsbetriebe (z. B. Hersteller von Platten) hingewiesen. Mehrfach werden als Probleme außerdem die zu geringen Transportkosten und der Fachkräftemangel im Handwerk genannt.
Als größtes Markthindernis wird die Wirtschaftlichkeit identifiziert. Die regionale Herstellung von Holzprodukten sei mit höheren Kosten verbunden, so dass die Preise bei regionaler Produktion entsprechend höher seien. Vielen Betrieben gehe es jedoch nur um den besten Preis und daher würden sie auf dem internationalen Markt möglichst günstig einkaufen bzw. möglichst teuer verkaufen. Ein Befragter drückte es so aus: “Ich muss ein Jahresergebnis abliefern, und wenn es dann woanders mehr gibt, dann geht es dort hin. Regional hin oder her.” Die Wirtschaftlichkeit setzt der Regionalität also klare Grenzen. Zusätzlich werden die Diskrepanzen zwischen vorhandener und geforderter Qualität sowie zwischen produzierten und benötigten Sortimenten als Probleme auf dem regionalen Markt gesehen. Für die genannten Hindernisse gelten bei den Interviewpartnern die folgenden Lösungsansätze als die wichtigsten: Die Betriebe aus den verschiedenen Bereichen der Forst-Holz-Kette müssen ein Verständnis füreinander entwickeln und sich vernetzen, um die jeweiligen Bedürfnisse zu kennen und sich aufeinander abstimmen zu können. Für einen der befragten Zimmerer ist klar: “Da gibt es psychologische Hürden, die man einreißen muss, keine technologischen.”
Darüber hinaus ist die Branche gefordert, die regionalen Strukturen so auszubauen, dass die in der Region benötigten Sortimente (z. B. KVH) auch regional produziert werden. Auch sollten über eine Art Rohstoffbörse Angebot und Nachfrage besser zusammengebracht werden. Außerdem ist die Außendarstellung der Betriebe und der gesamten Branche zu verbessern, um Bevölkerung, Planer, Bauherren und politische Entscheidungsträger für regionales Holz zu sensibilisieren und die Nachfrage zu erhöhen.






