Im Mittelalter waren die Wälder Mitteleuropas weitgehend verschwunden. Vom ursprünglichen Urwald war kaum etwas geblieben; stattdessen prägten vom Menschen beeinflusste Kulturwälder die Landschaft. Bis etwa 1800 dienten sie vor allem der Landwirtschaft, die gegenüber der Forstwirtschaft meist Vorrang hatte. Solche Nutzlandschaften trugen Namen wie Hart, Hardt, Haard, Hau, Höltzer oder Vorste. In einer Hardt bestanden gleichzeitig landwirtschaftliche und forstliche Nutzungsrechte. Neben Hölzern fanden sich dort Wiesen, Äcker, eingezäunte Flächen, Wasserstellen und Viehhütten. Am treffendsten lassen sich diese historischen Landschaften als Agro-Forst beschreiben – Ausdruck der engen Verbindung von Land- und Forstwirtschaft1.
Vor 300 Jahren war auch der Kaiserstuhl eine waldarme Hardt-Landschaft. Die Vulkan- und Lössregion nahe Freiburg war bereits seit über 6 000 Jahren besiedelt. Der ursprüngliche Urwald wurde früh in Kultur- und Agro-Forst überführt, in denen Viehweide, Wiesen und Äcker Vorrang vor der Holznutzung hatten. Ab dem Mittelalter nahm der Anteil von Bäumen stetig ab, während Rebflächen, Obstgärten und Äcker zunahmen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erreichte der Agro-Forst seinen Tiefpunkt (Abb. 1).
Eine Karte von 1737 zeigt den damaligen Zustand von Siedlungen, Gewässern und Hardtflächen. Breisach war durch den Dreißigjährigen Krieg und weitere Konflikte stark geschwächt, zudem bedrohte die französische Festung Neu-Breisach die Stadt. Burgen im Kaiserstuhl – darunter Schloss Burkheim, Limburg, Sponeck und Burg Höhingen – waren zerstört. Auch die Orte Biesheim und Ödigheim in der Nähe von Neu-Breisach sowie zahlreiche Häuser in Ihringen und Wasenweiler lagen in Trümmern. Der Rhein war noch nicht begradigt; Frankreich hatte jedoch schon erfolgreich versucht, seinen Lauf nach Osten zu verlegen, was Breisach benachteiligte. Die Dreisam floss damals am Ostrand des Kaiserstuhls bei Bahlingen, während sie heute direkt auf Riegel zuläuft. Die Hardt bei Riegel ist längst landwirtschaftlich genutzt, die bei Forchheim wurde bis heute zum Bechtaler Wald aufgebaut (Abb. 1).
1Hardtgebiete als Weide-Wälder waren noch 1850 überall verbreitet. Sie wurden bis heute durch Hochwälder ersetzt.






