Die Erfassung der xylobionten Käfer erfolgte mit je sechs Flugfensterfallen, die im Zeitraum von Mai bis Juli auf den Probekreisen der Vegetation innerhalb der Repräsentationsflächen installiert wurden. Diese Fallen fangen ohne Lockstoffe alle Käfer, die zufällig gegen eine der beiden, kreuzweise verbunden Scheiben prallen.
Viele Naturwaldreservate sind durch einen gemeinsamen Artengrundstock an xylobionten Käferarten charakterisiert. Die Käferarten, die am stetigsten zu finden waren, also in den meisten Fallen gefangen wurden, waren der Gekämmte Nagekäfer (Ptilinus pectinicornis), der Schnellkäfer Melanotus castanipes und der Schwarze Nutzholzborkenkäfer (Xylosandrus germaus), der gleichzeitig auch die höchsten Individuenzahlen erbrachte. Der Gekämmte Nagekäfer ist ein Generalist an trockenem, besonntem Laubholz. Er verursacht die sogenannten “Mehlbuchen”, wenn das Genagsel der Larven ganze Stämme von Rotbuche oder Hainbuche regelrecht “einpudert”. Die Larven von Melanotus castanipes entwickeln sich in stärker zersetztem Totholz von Laub- und Nadelbäumen. Der Schwarze Nutzholzborkenkäfer wiederum, der durchschnittlich in jeder dritten Falle gefangen wurde, ist eine nach Deutschland verschleppte Käferart aus Ostasien, die im Holz von Nadel- und Laubhölzern brütet.
Betrachtet man die Unterschiede der Artengemeinschaften bei den holzbesiedelnden Käfern, fällt zunächst auf, dass diese in erster Linie von klimatischen Gegebenheiten geprägt werden. Insbesondere die Jahresdurchschnittstemperatur und der Jahresniederschlag spielen hier eine wichtige Rolle. Auch Standortparameter des Bodens und Eigenschaften des lebenden Baumbestandes wie die Anzahl der Baumarten oder der Vorrat bzw. die Stammzahlen des aufstockenden Bestandes sind Faktoren, die zur Herausbildung unterschiedlicher Artengemeinschaften beitragen.
Von nur nachgeordneter Bedeutung war hingegen der Vorrat des gemessenen Totholzes, wobei hier in erster Linie das frische Totholz einen Einfluss auf die Artengemeinschaften zeigte.
Artengemeinschaften, die sich hinsichtlich ihrer Käferausstattung deutlich von der Mehrzahl der anderen Flächen unterscheiden, waren im Lärchen-Zirbenwald des NWR Wettersteinwald sowie in dem von der Kiefer dominierten NWR Grenzweg östlich von Nürnberg zu finden. Auch die im Auwald gelegenen Flächen des NWR Dreiangel konnten sich hinsichtlich ihrer Artenzusammensetzung von dem großen Verbund der Buchen- und Eichenmischwälder absetzen.






