Zunächst gehörte Montgelas ab dem 30. August 1780 neben seinen anderen Tätigkeiten auch dem zwölfköpfigen Bücherzensurkollegium bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften an. Dieses sollte Schriften, die gegenüber bestehenden staatlichen Institutionen eine gewagte Sprache führen, aus dem Verkehr ziehen. Um eine solche handelte es sich bei Rottmanners Werk durchaus. Es ist ein zutiefst hybrides Buch…

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Die Kronwinkler Eichen

Zunächst gehörte Montgelas ab dem 30. August 1780 neben seinen anderen Tätigkeiten auch dem zwölfköpfigen Bücherzensurkollegium bei der Bayrischen Akademie der Wissenschaften an. Dieses sollte Schriften, die gegenüber bestehenden staatlichen Institutionen eine gewagte Sprache führen, aus dem Verkehr ziehen. Um eine solche handelte es sich bei Rottmanners Werk durchaus. Es ist ein zutiefst hybrides Buch mit hoher Sprengkraft, das einerseits eine beispiellose Zitierung des damals verfügbaren Wissens über Forstwirtschaft im deutschsprachigen Raum präsentiert, andererseits aber eklatante Missstände im Oberstjägermeisteramte anprangert. Dies geht so weit, dass Rottmanner namentlich Beschäftigte des Amtsmissbrauchs, der bewussten Unterlassung von Dienstpflichten und der Unterschlagung bezichtigt. Diese Janusköpfigkeit seines über 600 Seiten starken Buches muss schnell aufgefallen sein und so wurde es eben noch im selben Jahr konfisziert. Drucker und Verleger wurden für kurze Zeit eingesperrt und mussten sich beim Oberstjägermeister entschuldigen. Der Autor war ja offiziell anonym, was später seine ordentliche Zitierung in der Literatur erschwerte. Als Raubdruck wurde das Buch aber offensichtlich auch ohne „Genehmhaltung des kurfürstlichen Büchercensur-Kollegiums“ in Umlauf gebracht und fand noch viele Jahrzehnte Verwendung als inoffizielles Lehrbuch.

Auf die Theorie folgt die Praxis. Korrespondierend zu seinem praxisbezogenen Buch über Forstwirtschaft in Bayern legte Rottmanner 1780 auch gleich einen Eichensaatbestand an. Vermutlich orientierte er sich in seinem Vorgehen an dem oft von ihm zitierten sächsischen “hirsch- und holzgerechten Jäger” Johann Gottlieb Beckmann. Dieser hatte im damals sowohl wirtschaftlich wie forstwissenschaftlich führenden Sachsen ein Buch mit dem vielsagenden Titel “Gegründete Versuche und Erfahrungen von der in unseren Zeiten höchst nöthigen Holzsaat” herausgebracht. Ein in diesem Land vorherrschender Zusammenhang von Holzmangel und Montanindustrie liegt nahe. Nicht umsonst ist bereits 1713 der zuständige Beamte für Rohstoffwirtschaft der Oberberghauptmann Hanns Carl von Carlowitz mit seinem – wegen der Nachhaltigkeit – heute noch bekanntem Standardwerk “Sylvicultura oeconomica” an die Öffentlichkeit getreten. 

Neun Monate nach der Aussaat zog der Hofmarksrichter in einer Art Versuchsbeschreibung Bilanz. Aber lesen Sie selbst:


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