Der Erreger der Russrindenkrankheit, Cryptostroma corticale, ist ein in Europa invasiver Pilz, der vermutlich aus Nordamerika stammt. In Österreich wurde im Jahr 2004 erstmals der Befall an Bergahornen (Acer pseudoplatanus) an verschiedenen Standorten beschrieben. Es ist kein Zufall, dass die Krankheit nach dem Rekord-Hitze Jahr 2003 erstmals auffiel: C. corticale lebt endophytisch und symptomlos in seinen Wirtsbäumen und tritt erst dann in Erscheinung, wenn ein latent infizierter Baum unter Stress gerät, zum Beispiel durch anhaltende Hitze und Trockenheit. Dann beginnt der Pilz, der während der latenten Phase horizontal im Holz entlang von Ästen und dem Stamm wächst, sich radial im Holzkörper auszubreiten. Im Querschnitt von befallenen Ästen und Stämmen sind grüne bis gelbe Verfärbungen typisch, die sich über mehrere Meter erstrecken können (Abbildung 1).
Betroffene Bäume sterben von der Krone ausgehend zurück. Im Kambium angelangt, bildet C. corticale Sporenlager aus, die unter der sich ablösenden Rinde als schwarze, rußige Schicht sichtbar werden. Die Sporenlager zerstören neben dem Kambium auch den Bast ihres Wirtsbaumes, wodurch die Nährstoffversorgung des bereits geschwächten Baumes gekappt wird und dieser abstirbt.
Die Konidiosporen von C. corticale werden über den Wind zu anderen Wirtsbäumen vertragen und können über weite Strecken transportiert werden – Distanzen bis zu 1,2 Kilometer wurden nachgewiesen. Als Hauptinfektionsweg des Pilzes gelten Wunden und Rindenrisse der Wirtsbäume; einer neuen Studie zu Folge war C. corticale auch im Holz von Bergahornstecklingen nachweisbar, nachdem deren intakte Rinde mit Sporensuspension besprüht worden war (Bußkamp et al., 2024).






