Das integrierte Borkenkäfer-Management umfasst die drei Säulen Vorbeugung (Befallsrisiko reduzieren), Monitoring (Situation überwachen) und reaktive Maßnahmen (Befall eindämmen) (FVA, 2024). Das Monitoring, z.B. von Schwärmaktivität, Käferentwicklung und Befallsrisiko, liefert dabei die notwendigen aktuellen Informationen für die oft zeitkritischen reaktiven Maßnahmen wie Erkennung, Sanierung und Abfuhr von Befallsholz. Bisher gaben Pheromonfallen und Brutbeobachtungsbäume auf ausgewählten Monitoringflächen Anhaltspunkte für die aktuelle Gefahrenlage. Diese Daten haben jedoch gegenüber Modellen einige Nachteile, welche ihre Anwendung limitieren:
-
Sie sind lediglich punktuell vorhanden und lassen damit nur unzureichend Rückschlüsse für die gesamte Waldfläche zu.
-
Fallendaten spiegeln zwar die Schwärmaktivität wider, nicht aber das tatsächliche Befallsrisiko.
-
Die wöchentlichen Beobachtungen liefern nur retrospektive Informationen – wertvolle Zeit geht verloren, Prognosen sind nicht möglich.
-
Die Daten sind nicht in ein digitales, flächendeckendes Informationssystem integriert, auf welches Waldbesitzende direkt zugreifen können.
Aus diesen Gründen werden Modelle zukünftig eine zunehmend wichtigere Rolle für das Monitoring und die Prognose im Borkenkäfer-Management spielen. Ziel ist es, der Forstpraxis mit PHENIPS-Clim und IpsRisk bessere Informationen bereitzustellen und damit den Ressourceneinsatz für die Befallserkennung und -sanierung zu optimieren. Ein effektives Management wiederum bedeutet kleinere Schadflächen und weniger Schadholz.
Die Erstellung solcher Modelle beruht zum einen auf genauen Kenntnissen zur Biologie des Buchdruckers sowie zu Faktoren, welche das Befallsrisiko beeinflussen. Diese Erkenntnisse wurden in den vergangenen Jahren im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte an der FVA gesammelt bzw. aus der Literatur zusammengetragen, und gehen in Form von mathematischen Funktionen in die Modelle ein (Abb. 1). Ein Beispiel hierfür ist die temperaturgesteuerte Entwicklung der Käfer (Hofmann et al., 2024). Zum anderen werden flächendeckende Eingangsdaten benötigt, welche in hinreichend hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung das Modell antreiben, z.B. tagesaktuelle Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie Daten zu Standort, Bestand und Vorbefall. Auf Basis dieser Komponenten werden dann rasterbasiert Modellausgaben berechnet, welche in Form von Karten oder standortsbezogenen Diagrammen tagesaktuell inklusive einer 7-Tage-Prognose von der Forstpraxis abrufbar sind. Neben dieser kurzfristigen Entscheidungshilfe ermöglichen die Modelle auch die Berechnung von langfristigen Trends in Folge des zunehmenden Klimawandels, bspw. die Aktivitätsperiode und Generationenanzahl der Käfer betreffend, oder auch den befallsfördernden Trockenstress der Fichten. Diese Trends sind letztlich als Planungsinstrument für die Forstpraxis wichtig, um die mittel- bis langfristige Eignung und Vulnerabilität der Baumart Fichte abzuschätzen.






