In mitteleuropäischen Waldgesellschaften kommt die Vogelkirsche (Prunus avium (L.) meist nur einzelstammweise oder zerstreut in kleinen Gruppen vor. Als licht- und wärmeliebende Art wächst sie insbesondere in lichten, submediterran bis subkontinental geprägten Wäldern (thermophile Mischwälder, Linden-Mischwälder, Kiefern-Stieleichen- und Eichen-Hainbuchenwälder etc.). Für ihre Verbreitung spielen bis heute historische Betriebsformen wie die Nieder- und Mittelwaldwirtschaft eine entscheidende Rolle. Denn ihre Fähigkeit, nach einem Nutzungshieb erneut auszutreiben (Stockausschlag), brachte ihr einen enormen Vorteil gegenüber der konkurrenzstärkeren Buche. Die Vogelkirsche kann sich auch vegetativ über Wurzelbrut auf der Fläche ausbreiten, so dass noch heute größere, genetisch identische Baumgruppen (Klongruppen) in ehemaligen Mittelwäldern vorzufinden sind.
Als Pionierbaumart vermag die Vogelkirsche größere Lücken und Freiflächen im Waldbestand schnell zu besiedeln. Ihr rasches Jugendwachstum bei vergleichsweise hoher Trockenheits- und Spätfrosttoleranz ermöglicht ihr in den ersten Lebensjahren einen deutlichen Wuchsvorsprung gegenüber vielen Wirtschaftsbaumarten. Vitale Jungpflanzen können in den ersten Lebensjahren wipfelschäftige, aufrechte Triebe von mehr als einem Meter Länge erreichen. So kann die Vogelkirsche frühe sukzessionale Waldstadien besetzen, bis sie wieder durch Klimaxgesellschaften ersetzt wird (Lückenstrategie).
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