Bei der Einschätzung des Zustands von Bäumen spielt die Vitalität eine wichtige Rolle. Sie bestimmt letztendlich, wie erfolgreich ein Organismus unter den gegebenen Umweltbedingungen gedeihen und überleben kann. Blattgrün, relative Blattgröße und Belaubungs- bzw. Benadelungszustand sind die wichtigsten Parameter, mit denen sich die Vitalität bei einfacher äußerer Betrachtung einschätzen lässt. In den Blättern findet die…

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Vitalitätsmonitoring mit Drohnen

Bei der Einschätzung des Zustands von Bäumen spielt die Vitalität eine wichtige Rolle. Sie bestimmt letztendlich, wie erfolgreich ein Organismus unter den gegebenen Umweltbedingungen gedeihen und überleben kann. Blattgrün, relative Blattgröße und Belaubungs- bzw. Benadelungszustand sind die wichtigsten Parameter, mit denen sich die Vitalität bei einfacher äußerer Betrachtung einschätzen lässt. In den Blättern findet die Photosynthese statt. Deshalb ist die Blattmasse ein Weiser für die Lebenskraft eines Baumes. Dementsprechend können Blattverfärbung und Belaubungsdichte durchaus Parameter zur Vitalitätsansprache sein. Prinzipiell ist die Einschätzung der Vitalität aber eine “relative” Ansprache, also eine Einschätzung, die im Vergleich stattfindet mit Bäumen derselben Art, der entsprechenden Entwicklungsphase und eines ähnlichen Standorts.

Für die regelmäßige Einschätzung des Vitalitätszustands unserer Wälder und eine frühzeitige Detektion von Veränderungen wird in Deutschland jährlich seit 1984 die WZE als terrestrische Inventur an festgelegten Punkten durchgeführt. Dabei beurteilen Fachleute visuell von Mitte Juli bis Mitte August den Kronenzustand der Waldbäume. Zentraler Beurteilungsmaßstab ist die Verlichtung der Kronen im Vergleich zu einer voll belaubten bzw. benadelten Krone. Die Abweichung von einer vollständigen Belaubung wird in 5 %-Stufen geschätzt. 0 % Verlichtung bedeutet eine voll belaubte Krone. 40 % Verlichtung bedeutet: Gegenüber einer voll belaubten Krone fehlen 40 % der Blattmasse bzw. es sind nur 60 % der normalerweise zu erwartenden Blatt­masse vorhanden.

Dieser Ansatz hat sich bewährt und liefert wertvolle Zeitreihendaten. Als nachteilig erweist sich allerdings der jährliche hohe Arbeits- und Kostenaufwand für die Bundesländer sowie die subjektive Komponente der Vitalitätseinschätzung, die trotz der stetigen Kalibrierung der Fachleute in Schulungen im Rahmen der WZE nicht ganz auszuschalten ist.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Technologie unbemannter Luftfahrzeuge (UAVs) und der Datenauswertung rasant entwickelt und bietet vielseitige Einsatzmöglichkeiten in der Forstwirtschaft. Dazu gehören auch UAV-basierte Ansätze, die zur Einschätzung der Vitalität von Waldbäumen entwickelt wurden. Meist nutzen diese das Reflexionsverhalten der lebenden, oberirdischen Biomasse zur Berechnung spektraler Vegetationsindizes, die Rückschlüsse auf die Vitalität sowie deren zeitliche Veränderungen ermöglichen sollen. Oft fehlt jedoch ein eindeutiger Zusammenhang zwischen reflektierter Strahlung und Baumart. Weiterhin beschreiben zahlreiche Studien großflächige Änderungen von Vegetationsindizes, ohne eine Beziehung zum Vitalitätszustand der Waldflächen oder Einzelbäumen wissenschaftlich zu belegen.


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